Interview mit Frau Dr. Marschall

Frau Doktor Marschall, lohnt sich eine Matratzenreinigung?

DR. URSULA MARSCHALL:

Eine Matratzenreinigung sollte heutzutage zur ganz normalen Betthygiene in jedem Haushalt dazugehören und lohnt sich besonders, wenn jemand allergisch auf Hausstaub reagiert.

Denn jegliche Reduktion der Belastung mit allergieauslösenden Stoffen ist sinnvoll.

Wenn nur die Nase läuft und die Augen jucken, ist das primär störend. Die nächste Etage kann eine Asthmaerkrankung sein. Diese kann lebensbedrohlich werden, weil man im Ernstfall nicht mehr ausatmen kann.

Warum gilt der Matratze besonderes Augenmerk?

DR. URSULA MARSCHALL:

Im Bett ist es warm, dunkel und feucht. Das lieben Milben, die pro Tag 40 - 80 Eier legen. Hinzu kommt, dass der Mensch pro Nacht ein bis zwei Gramm Hautschuppen verliert.
In einem Jahr ist das ein halbes Kilo Haut. Da sich die Spinnentiere davon ernähren, ist die Matratze eine ideale Brutstätte für diese Lebewesen.

Was an Milben ist allergen?

DR. URSULA MARSCHALL:

Vor allem die Ausscheidungen der Milben können Allergien auslösen.

Vielleicht in einem Jahr, vielleicht erst in zehn Jahren, vielleicht nie. International ist ein Anstieg der Sensibilisierung, also der Empfindlichkeit auf allergieauslösende Stoffe, vor allem bei Kindern und jungen Erwachsenen festzustellen. So stieg die Sensibilisierung gegen die Hausstaubmilbe innerhalb von zehn Jahren von sechs auf 29 Prozent.

Was ist eine Allergie?

DR. URSULA MARSCHALL: Eigentlich eine na-
türliche Abwehr des Körpers gegenüber Fremdstoffen. Allerdings ist diese Abwehr völlig überzogen.

Grundsätzlich prüft der Körper, ob ein Keim fremd oder eigen ist, gefährlich oder harmlos. Deshalb ist es so wichtig, dass kleine Kinder mit vielen Fremdstoffen in Berührung kommen. Der Körper lernt zu unterscheiden und entsprechend zu reagieren. Bei manchen Menschen lösen schon Hausstaub oder

Blütenpollen eine Überreaktion aus und es kommt zu einer Allergie.


Zurück zu den Matratzen. Warum sind sie beim Thema Allergie so wichtig?

DR. URSULA MARSCHALL:

In einem Gramm Bettstaub befinden sich 4000 Milben, im Schlafzimmerstaub sind es 1000 und im Küchenstaub sind es lediglich 80 Milben. Wir verbringen rund ein Drittel des Tages im Bett. Bei jeder Körperbewegung wirkt die Matratze wie ein Blasebalg: Die Kleinstlebewesen werden durch die Luft gewirbelt und eingeatmet.

Was kann man machen?

DR. URSULA MARSCHALL: Staubfreie Wohnungen gibt es nicht. Aber wenn man Allergiker ist, sollte man Teppichböden aus dem Schlafzimmer
verbannen, damit man feucht wischen kann. Für Allergiker gut geeignet sind leichte Gardinen oder Vorhänge, die waschbar sind. Denn keine Milbe überlebt eine Waschmaschine, dort ist es zu nass und zu heiß. Dasselbe gilt für Kopfkissen und Bettzeug.

Auch diese sollten regelmäßig, am Besten bei mindestens 60 Grad gewaschen werden.

Wie effektiv ist eine Matratzenreinigung?

DR. URSULA MARSCHALL:

Milben werden im Vakuum abgetötet, aber eine 100-prozentige Sanierung gibt es aus medizinischer Sicht nicht.
Nach einer Reinigung ist es wichtig, einen milbendichten Matratzenbezug zu verwenden, um den Neubefall so gering wie möglich zu halten. Denn was nutzt eine
gereinigte Matratze, wenn darauf eine ungewaschene Bettdecke voller Milben liegt.

Weitere Tipps von Ihnen?

DR. URSULA MARSCHALL:

Allergiker sollten abends duschen. Zum einen sind Haare voller Pollen, zum anderen werden die alten Hautschuppen

abgewaschen. Wer stark schwitzt und häufig im Bett liegt, beispielsweise weil er krank ist, sollte Bettzeug und Matratze häufiger reinigen. Außerdem sollten Allergiker keine Haustiere wie Hund, Katze oder Hamster ins Bett lassen.